Photovoltaikanlage in Hamburg

Lohnt sich eine Photovoltaikanlage in Hamburg?

Hamburg und Sonnenschein – das scheint für viele Auswärtige, aber auch für manche Einheimische, ein Widerspruch zu sein. Die Hansestadt ist berühmt für ihr Schmuddelwetter, steife Brisen und graue Wolkendecken. Doch wer daraus schließt, dass die Installation von Solarmodulen im Norden reine Geldverschwendung wäre, unterliegt einem weitverbreiteten Irrtum. Die Frage nach der Rentabilität hängt längst nicht mehr nur von der Anzahl der wolkenlosen Tage ab, sondern von einer Kombination aus Strompreisentwicklung, Eigenverbrauchsquote und gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Mehr als nur Regen: Das Potenzial der norddeutschen Sonne

Die Annahme, dass Solarmodule pralle Sonne benötigen, um Strom zu produzieren, ist technisch überholt. Moderne Photovoltaikanlagen arbeiten auch bei diffuser Strahlung – also bei Bewölkung – erstaunlich effizient. Zwar sind die Erträge in Süddeutschland im Schnitt etwas höher, doch die Differenz fällt geringer aus, als viele vermuten. Wer sich konkret für Photovoltaik in Hamburg interessiert, stellt beim Blick auf die Wetterdaten fest: Die Globalstrahlung im Norden reicht vollkommen aus, um einen signifikanten Teil des häuslichen Strombedarfs zu decken.

Ein weiterer Aspekt begünstigt den Norden: Kühle Temperaturen erhöhen den Wirkungsgrad der Module. Während Anlagen in heißeren Regionen bei extremen Sommertemperaturen an Leistung verlieren, profitieren Betreiber in Hamburg von der stetigen Kühlung durch den Wind. Somit gleicht das norddeutsche Klima den leichten Nachteil bei den Sonnenstunden teilweise wieder aus.

Gesetzliche Vorgaben als Treiber

In der Hansestadt ist die Entscheidung für oder gegen ein Solarkraftwerk auf dem eigenen Dach mittlerweile oft keine reine Freiwilligkeit mehr. Der Senat hat mit dem Hamburgischen Klimaschutzgesetz Fakten geschaffen. Seit 2023 gilt eine Solarpflicht für Neubauten, und seit 2024 greift diese Regelung auch bei vollständigen Dacherneuerungen im Bestand. Eigentümer müssen also bei größeren Sanierungen eine Anlage einplanen.

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Diese politische Weichenstellung zwingt Immobilienbesitzer zur Auseinandersetzung mit der Technik. Doch statt dies als reine Bürde zu sehen, lohnt ein Blick auf die langfristige Kalkulation. Da die Fixkosten für Gerüst und Baustelleneinrichtung bei einer Dachsanierung ohnehin anfallen, sinken die relativen Montagekosten der PV-Anlage. Die Amortisationszeit verkürzt sich dadurch spürbar.

Der Hebel liegt im Eigenverbrauch

Ob sich die Investition tatsächlich rechnet, entscheidet vor allem der Umgang mit der gewonnenen Energie. Die Einspeisevergütung, die man für ins Netz geleiteten Strom erhält, liegt deutlich unter den Preisen, die Versorger für Netzstrom verlangen. Der Einkaufspreis für die Kilowattstunde bewegt sich oft beim Dreifachen dessen, was die Einspeisung einbringt.

Daraus folgt eine klare ökonomische Logik: Je mehr Solarstrom direkt im Haus verbraucht wird, desto höher die Rendite. Waschmaschinen, Wärmepumpen oder das Laden von Elektroautos sollten idealerweise dann laufen, wenn die Anlage liefert. Um diesen Anteil zu steigern, integrieren Planer zunehmend Batteriespeicher. Diese puffern die Energie vom Mittag für die Abendstunden. Zwar treibt der Speicher die Anschaffungskosten in die Höhe, doch er macht den Haushalt unabhängiger von Preisschwankungen am Energiemarkt.

Ausrichtung und Dachflächen neu gedacht

Früher galt die reine Südausrichtung als das Maß aller Dinge. Heute hat sich diese Sichtweise gewandelt. Ost-West-Dächer erweisen sich oft als vorteilhafter für den Eigenverbrauch. Sie liefern morgens früher und abends länger Strom – genau dann, wenn in den meisten Haushalten der Bedarf am höchsten ist. Die Erzeugungskurve ist flacher, aber breiter über den Tag verteilt.

In Hamburg kommt hinzu, dass viele Reihenhäuser und eng bebaute Stadtteile mit Verschattung durch Bäume oder Nachbargebäude zu kämpfen haben. Hier helfen Leistungsoptimierer, die jedes Modul einzeln steuern. Ein verschattetes Modul zieht so nicht mehr die Leistung des gesamten Strangs herunter. Die Investition in eine solche Anlage bleibt eine Wette auf die Zukunft der Strompreise. Bleiben diese auf einem hohen Niveau – wovon Experten ausgehen – amortisiert sich eine gut geplante Anlage in Hamburg meist innerhalb von 10 bis 15 Jahren. Bei einer Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren bleibt danach eine lange Phase der fast kostenlosen Stromernte.

Peter Mälzer
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